Pacific News 11 September/Oktober 1998
Eine der weltweit größten
Bauxitminen befindet sich an der Westküste der Cape York Halbinsel
in North Queensland, Australien. Hier werden pro Jahr rund 11 Mio t Bauxit
gefördert, eine Förderzahl, die nur noch von einer Mine in Guinea
übertroffen wird. Bis zum Jahre 2042 läuft die Abbaugenehmigung
für die COMALCO Aluminium Ltd., doch besteht die Option auf weitere
21 Jahre. Entsprechend groß ist die vom Tagebau eingenommene Fläche.
Die für den Abbau vorgesehene Gesamtfläche erstreckt sich über
2.560 qkm (zum Größenvergleich: der Tagebau Hambach I im rheinischen
Braunkohlenrevier umfaßt ca. 85 qkm), die nach Beendigung der bergbaulichen
Tätigkeit einer Renaturierung bzw. Rekultivierung zugeführt werden
sollen.
Ziel des Teilprojekts 5 "Umwelt” des
Sonderforschungsbereich 525 "Resourcenorientierte Gesamtbetrachtung
von Stoffströmen” der Deutschen Forschungsgemeinschaft ist es,
die mit dem Abbau verbundenen Auswirkungen zu analysieren und geeignete
Rekultivierungsstrategien zu entwickeln. Ausgehend von der Untersuchung
der agrarökologischen und sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen
soll aufgezeigt werden, welche Möglichkeiten bestehen, in Anspruch
genommene Flächen nach und auch bereits während der bergbaulichen
Tätigkeit in eine landschaftsgerechte und den sozio-ökonomischen
Bedingungen angepaßte Regionalentwicklung einzubinden. Erste Untersuchungen
wurden dazu in Weipa durchgeführt, weitere sind für Bintan (Indonesien),
Pijiguaos (Venezuela) und für Gewinnungsstandorte auf Jamaika geplant
Bauxit-Tagebau in Weipa,
North Queensland (Aufnahme: S. Ewers 1997)
Die natürliche Vegetation ist durch halboffene, rund 25-30 m hohe Eukalyptuswälder (Eucalyptus tetrodonta) und hohen tropischen Gräsern (Heteropogon triticeus und Sorghum plumosum) gekennzeichnet. Entscheidend für die Ausbildung dieser Pflanzengesellschaft sind die mehr oder weniger regelmäßig entstehenden Buschfeuer am Ende der Trockenzeit, die das Aufkommen weniger brandresistenter Arten verhindert (Lawrie 1984, S.206). Gleichzeitig wird das Wachstum trockenresister Arten in den feuchten Monaten eingeschränkt, wenn der Grundwasserspiegel in diesen flachen Regionen ansteigt und zu Überflutungen führen kann.
Eine wichtige Determinante bildet die Bodenfruchtbarkeit. Bei den Böden handelt es sich überwiegend um lateritische Roterden mit lehmigen Oberböden, die nährstoffarm sind und über eine geringe Wasserspeicherkapazität verfügen. Die nach der Entnahme der Bauxitschichten und der Beendigung des Abbaus aufgetragenen Erdschichten befinden sich nicht nur näher zum Grundwasserspiegel, sondern lagern auch sehr eisenhaltigem Substrat auf, das durch den maschinellen Abbauprozess stark verdichtet und für die Wurzeln vieler Pflanzen unüberwindbar wurde. Die Bedingungen für das Pflanzenwachstum nach dem Abbau sind gegenüber der ursprünglichen Ausgangssituation folglich verändert, so daß eine Renaturierung im Sinne einer vollständigen Wiederherstellung des vormaligen Ökosystems kaum möglich ist.
Abbau der 4 m mächtigen
Bauxitschicht (Aufnahme S. Ewers 1997)
Die lediglich 2400 Bewohner (1994) zählende Siedlung ist zweigeteilt. Der nördliche Siedlungteil Weipa wird ausschließlich von im Bergbau Tätigen bewohnt und entspricht einer klassischen company town mit den üblichen bevölkerungsstrukturellen Merkmalen (hohe Fluktuation der Bewohner, geringer Anteil an Frauen an der Gesamtbevölkerung u.a.). Im Süden schließt sich die Aborigines-Siedlung Napranum an. Das Land um Weipa war den Aborigines zur Nutzung überlassen, bevor Comalco 1957 die Abbaugenehmigung erhielt. Es ist den Aborigines daher erlaubt, das für den Abbau vorgesehene bzw. das bereits renaturierte Land zur Weide und zum Sammeln und Jagen zu nutzen.
Ziel des Bergbauunternehmens ist es, die Verantwortlichkeit für die Siedlung nach und nach abzugeben und den Übergang zu einer "normalen”, sich selbst verwaltenden Kleinstadt einzuleiten. Der Bergbau trägt somit im Sinne der Raumordnung zur Erschließung des Kontinents bei, indem Stützpunkte einer modernen und leistungsfähigen Infrastruktur im dünn besiedelten Outback entstehen. Die neu entstehenden Siedlungen bilden zentrale Orte für ein weites Umland, das Versorgungs- und Bildungseinrichtungen in Anspruch nehmen kann (Löffler/Grötz 1995 S.264). Das Hauptproblem - nicht nur im Fall von Weipa, sondern generell in peripheren Bergbauregionen - liegt darin, einen sich selbst tragenden Entwicklungsstand zu erreichen, der auch nach Beendigung des Abbau eine ökonomische Grundlage besitzt. Gerade im Fall Weipa ist die Marktferne dabei von entscheidender Bedeutung. Dadurch wird das Spektrum potentieller Rekultivierungsstrategien weiter eingeschränkt, selbst wenn es in ökologischer Hinsicht mehrere Alternativen geben mag.
Die insgesamt nur wenigen Möglichkeiten für rentable land- oder forstwirtschaftliche Folgenutzungen veranlaßten die Betreiber der Mine daher bereits früh, die Wiederherstellung einheimischer Vegetation auf den ehemaligen Bergbauflächen zu fördern. Von den bis 1995 rekultivierten 6152 ha wurden 75% mit einheimischen Gehölzen bepflanzt, lediglich 14,5 % wurden als Weiden, weitere 6 % als Forstfläche rekultiviert. Heute steht die Renaturierung im Mittelpunkt, d.h. die Wiederherstellung und Stabilisierung von ausreichenden Nährstoffvorräten und -flüssen. Diese Zielsetzung erscheint wesentlich bescheidener, trägt jedoch dem faktisch nicht vorhandenen Nutzungsdruck in dieser peripheren Region Rechnung. Zudem haben die bisherigen Untersuchungen deutlich gemacht, wie schwierig schon die Errichtung eines stabilen und naturnahen Stoffkreislaufes ist, der schließlich die Grundlage für eine später erfolgende Errichtung eines Agrar- oder Forst-Ökosystems bildet.
Quellen
Pacific News 11 September/Oktober 1998