Pacific News 8 - Dezember 1995/Januar 1996
Das 8. Pazifik-Forum
der Arbeitsgemeinschaft stand in diesem Jahr unter dem Thema "Arbeitsmarktpolitische
und soziale Aspekte für sustainable development im pazifischen Raum".
Nach der Einführung in die Thematik durch Prof. Werner Kreisel und
Dr. Christel Fensterseifer legte als erster Referent Min.Dir. a.D. Winfried
Böll (Unkel) die grundlegenden Anforderungen an eine zukunftsfähige
Entwicklungspolitik dar. Als nächster Referent berichtete Jaap Schep
(Brummen/Niederlande) über die Erfolge bei der Schaffung neuer Einkommensquellen
für die Bevölkerung der Salomonen durch eine ökologisch
angepaßte forstwirtschaftliche Nutzung und ein offensichtlich erfolgreiches
Managementkonzept. Jaap Schep ist Leiter und Koordinator des "Integrated
Resources Development Programme" (IRDP) der United Church. Mit Hilfe des
vorgestellten Projektes ist es bereits gelungen, die Abholzung der Regenwälder
durch asiatische Firmen auf staatlichen Grundbesitz zurückzudrängen.
Deutliche Kritik wurde jedoch an der Regierung der Salomonen geübt,
die noch immer - offensichtlich aus finanziellen Gründen - die flächenhafte
abholzung des Regenwaldes und damit irreparable Umweltschäden zuläßt.
Als erster Referent des
zweiten Tages beschrieb Prof. Dr. Richard Bedford von der Waikato University
in Hamilton (Neuseeland) das Modell der sog. "MIRAB Economies", das fast
ausnahmslos auf alle kleinen Inselstaaten des pazifischen Raumes zutrifft.
Er analysierte die ökonomischen, politischen und sozialen Konsequenzen,
die sich aus der Abhängigkeit von Migration, Geldtransfer der Migranten
in die Heimatländer, Entwicklungshilfe und der Bürokratie (in
vielen Ländern sind die Regierungen der größte Arbeitgeber)
resultieren. Prof. Bedford wies auf die Probleme der Staaten hin, die sich
aufgrund restriktiver Einwanderungsbestimmungen der USA, Neuseelands und
Australiens sowie geringerer Entwicklungshilfeleistungen noch verschärfen
werden. Frank Affinito (Brüssel) legte - als Vertreter der Europäischen
Kommission (Abt. Pazifik) - hauptsächlich am Beispiel von Papua-Neuguinea
- die Möglichkeiten der wirtschaftlichen und entwicklungspolitischen
Kooperation zwischen der EU und den Staaten im Pazifischen Raum dar. Er
stellte mehrere spezifische Mikroprojekte vor, die eine größtmögliche
Partizipation der Dorfbevölkerung zum Ziel haben. Am Mittag stand
ein Empfang der Stadt Aachen im Weißen Saal des Rathauses auf dem
Programm. Der zweite Bürgermeister der Stadt Aachen, Herr Dr. Ulrich
Daldrup, war sehr an der Tagungsthematik interessiert und gab den Teilnehmern
und Teilnehmerinnen einen kleinen Einblick in die Geschichte aachens. Im
Anschluss daran bot sich den Gästen die Möglichkeit zur Besichtigung
des Rathauses. Hon. Afamasaga Toleafoa (Brüssel), der Botschafter
von West-Samoa, analysierte die ökonomische Situation West-Samoas
unter Einbeziehung eines historischen Rückblicks auf die Einflüsse
der Kolonialzeit. Er wies hin auf die für sein Land relevante Migrationsproblematik
hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung und auf zukünftige Erfordernisse
der Entwicklungszusammenarbeit zur Diversifizierung der Ökonomie.
Er bedauerte in diesem Kontext den Rückzug Deutschlands aus der bilateralen
Entwicklungszusammenarbeit mit den pazifischen Staaten. Viktor Kaisiepo
(Delft/Niederlande) von der West Papua People`s Front beleuchtete die Thematik
der Migrationsbewegungen und den Begriff des `sustainable development aus
einem völlig anderen Blickwinkel. In seinem Vortrag standen Menschenrechtsverletzungen
durch das indonesische Regime in West-Papua (Irian Jaya) und Osttimor im
Mittelpunkt. Kaisiepo forderte eine größere Einflußnahme
Deutschlands auf die indonesische Regierung und definierte den Begriff
der "nachhaltigen Entwicklung" mehr aus dem Selbstverständnis der
indigenen Bevölkerung heraus. Nach den Vorträgen wurden drei
workshops zu folgenden Themen durchgeführt:
Pacific News 8 - Dezember 1995/Januar 1996